Die großen türkischen Fischereischiffe fischen längst nicht mehr nur in der Ägäis, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer, sondern auch vor der Westküste Afrikas. Eine der neuen Routen, die zuletzt auffällt, ist Sierra Leone.

Warum also fahren türkische Fischer nach Afrika?

1. Warum sind türkische Fischereischiffe in afrikanischen Gewässern?

Es gibt drei Hauptgründe.

Erstens sind die Fischbestände in den eigenen Meeren zurückgegangen. Die türkische Fischereiflotte ist groß, aber das Gebiet, in dem sie fischen kann, wächst nicht im selben Tempo.

Ein Fischer holt auf See ein Netz ein
Je stärker die Bestände im eigenen Meer zurückgehen, desto mehr suchen Fischer nach neuen Fanggebieten.

Zweitens die Schonzeit. In der Türkei dürfen große Schiffe vom Frühjahr bis September keine Netze auswerfen. In diesen Monaten liegt das Schiff im Hafen, die Besatzung hat nichts zu tun. Ein Schiff, das nach Afrika fährt, arbeitet dagegen weiter.

Drittens Abkommen zwischen Staaten. Das türkische Ministerium für Land- und Forstwirtschaft hat in den letzten Jahren mit vielen Ländern Fischereiabkommen geschlossen. Seit Juli 2025 dürfen türkische Fischer vor den Küsten von 17 Ländern fischen.

Fischer sortieren auf einem Boot den Fisch aus dem Netz
Fischer sortieren den Fang aus dem Netz.

Diese Geschichte begann in Mauretanien. Heute arbeiten türkische Fischereischiffe vor Mauretanien, Guinea, Marokko, Angola, Senegal und Sierra Leone. Presseberichten zufolge sind in internationalen Gewässern mehr als 50 türkische Fischereischiffe mit über 1.500 Besatzungsmitgliedern unterwegs.

Ein Netz voller Fisch wird an Bord eines Ringwadenfängers geholt
Beim Einholen der Ringwade: Türkische Fischereischiffe fangen vor Afrika mit derselben Methode.

2. Warum Sierra Leone?

Sierra Leone hat in Westafrika eine Küstenlinie von mehr als 570 Kilometern und ein beträchtliches Potenzial an Meeresressourcen.

Karte von Sierra Leone: Atlantikküste, Freetown und die Nachbarländer Guinea und Liberia
Sierra Leone liegt an der Atlantikküste Westafrikas, zwischen Guinea und Liberia.

Damit ein ausländisches Fischereischiff in diesen Gewässern fischen darf, muss es registriert sein und eine Lizenz besitzen. Lizenzierte Schiffe werden per Satellit überwacht. Der küstennahe Bereich ist den lokalen Fischern vorbehalten.

Im April 2026 wurde außerdem der Grundstein für den ersten industriellen Fischereihafen des Landes gelegt. Der Hafen entsteht südlich der Hauptstadt Freetown und soll Anlagen für Fischverarbeitung, Eisproduktion, Betankung und Schiffswartung umfassen. Er ist auf einen Umschlag von 20.000 Tonnen Fisch pro Jahr ausgelegt.

3. Im selben Meer arbeiten auch lokale Fischer

In der Region gibt es nicht nur große Industrieschiffe. An der Küste Sierra Leones arbeiten viele lokale Fischer mit kleinen Holzbooten und traditionellen Methoden.

Lokale Fischer tragen ihre Netze an einem Strand in Sierra Leone, dahinter hölzerne Fischerboote
Lokale Fischer und ihre Holzboote an der Küste Sierra Leones.

Diese Fischer sind für das Land lebenswichtig. Rund 80 Prozent des tierischen Eiweißes der Bevölkerung stammen aus Fisch, und etwa 65 Prozent der Fischproduktion des Landes kommen von diesen kleinen Booten.

4. Die neue Route der türkischen Fischerei

Die Route von der Türkei nach Sierra Leone ist nicht nur eine Fischereigeschichte. Sie ist eine neue Seefahrtsgeschichte, in der große Fischereischiffe und lokale Fischerei im selben Meer aufeinandertreffen.

Wir bei Mavi Rota Marine verfolgen die neuen Routen der türkischen Fischereischiffe in Afrika.