Eine neue Fangsaison ist da. Motorengeräusch im Hafen, Netzgeruch, die übliche Hast… Doch diesmal geht es nicht um „wie viele Kisten?“, sondern um „wie soll das weiterlaufen?“
Das Bild vom Kai ist klar: Dieselkosten der Fischer und andere Ausgaben sind so gestiegen, dass vor allem große Ringwaden-Fangboote mit jeder Ausfahrt Verluste schreiben können. Es geht nicht um Faulheit; die Zahlen schließen nicht.
Dieselkosten: 2,5 Tonnen Kraftstoff am Tag
Ein Ringwadenschiff verbraucht im Schnitt etwa 2,5 Tonnen Diesel pro Tag. Allein der Kraftstoff kann auf 200–250.000 TL steigen. Ab den ersten Nächten der Saison füllt sich der Tank — und leert sich das Portemonnaie.
Und die Kosten enden nicht beim Kraftstoff. Sobald das Boot den Hafen verlässt, folgen alle Posten:
- Personalkosten: von 50.000 TL bis 100.000 TL
- Styropor-Fischkisten: je 55 TL
- Netze und Fanggerät
- Transport
- Verpflegung und sonstige Betriebskosten
Kleine Posten summieren sich. Besonders die Styroporkiste für 55 TL — auf jeder Kiste vermerkt, als „nebensächlich“ abgetan, über die Saison aber spürbar.
Fischkistenpreis 750–1.200 TL: warum die Rechnung scheitert
Aus dem Feld liegen die Fischkistenpreise zwischen 750 und 1.200 TL. Auf der einen Seite 200–250.000 TL für Diesel, Personal, Material und Kisten; auf der anderen dieses Band. Die Mathematik ist hart: selbst bei gutem Fang schrumpft die Marge; bei schwachem Fang kommt der Verlust.
Die Frage ist einfach, aber schwer: Wie soll ein Fischer bei so hohen Kosten überleben?
Preis am Stand ist eines; beim Fischer ein anderes
Ein weiterer Punkt ist der Weg vom Erzeuger zum Verbraucher. Fischer berichten von großen Abständen zwischen dem Preis beim Verlassen des Bootes und dem Preis am Stand. Je länger die Zwischenhändlerkette, desto weiter die Schere zwischen dem, was der Fischer bekommt, und dem, was der Kunde zahlt.
Es geht also nicht nur um „was kostet der Fisch?“. Die eigentliche Frage: wie viel kommt beim Fischer an, und wie viel zahlt der Verbraucher?
Was sollte die Lösung sein?
Am Kai diskutierte Optionen schließen sich nicht aus:
- Mehr und besser gezielte Unterstützung für Fischer
- Schritte gegen den Druck der Dieselkosten
- Verkürzung der Zwischenhändlerkette
- Neuordnung des Fischverkaufs
Kann ein System Fischer und Verbraucher zugleich tragen? Es sollte — aber ohne die Zahlen (Diesel, Personal, Styroporkiste 55 TL, Kistenpreis) auf den Tisch zu legen, reicht „gute Saison“ nicht.
Was meinen Sie? Unterstützung, Dieselentlastung, kürzere Kette — oder den Verkauf neu denken?