Eine der Fragen, die wir von Bootseignern und Anglern am häufigsten hören: „Ist ein Fischfinder dasselbe wie ein Sonar?“

Die kurze Antwort: Ein Fischfinder ist ein Gerät, das Sonartechnik nutzt. Sonar ist der Oberbegriff für die Technik, die Schallwellen unter Wasser schickt und aus dem zurückkommenden Echo Tiefe, Fische und Objekte am Grund erkennt. Das eine ist also die Technik, das andere das Gerät, das sie nutzt. Wenn es aber um den Kauf geht, steckt viel mehr dahinter als diese Definition. In diesem Artikel erklären wir den Unterschied, die Sonararten und worauf Sie bei der Wahl eines Fischfinders achten sollten.

Zwei Fischfinder-Bildschirme am Steuerstand eines Angelboots
Zwei separate Fischfinder-Bildschirme auf einem Angelboot. Foto: Yiran Ding / Unsplash

1. Was ist Sonar?

Sonar misst, wie ins Wasser gesendete Schallwellen zurückkommen. Der Schall trifft auf ein Objekt oder den Meeresgrund und wird zurückgeworfen. Anhand der Laufzeit und der Stärke des Echos berechnet das Gerät, was sich wie tief darunter befindet.

Diese Technik wird nicht nur beim Angeln eingesetzt. Auf Schiffen dient Sonar zur Tiefenmessung, zur Kartierung des Meeresbodens, in der Unterwasserforschung und bei der Suche nach Wracks. Der Fischfinder ist das Mitglied dieser großen Familie, das auf das Angeln abgestimmt ist.

2. Was ist ein Fischfinder?

Ein Fischfinder ist ein Gerät, das Sonartechnik zum Angeln nutzt. Er besteht aus zwei Hauptteilen: dem Bildschirm und dem Geber (Transducer). Der Geber wird unter dem Boot oder am Spiegel montiert, sendet Schallwellen ins Wasser und empfängt das Echo. Der Bildschirm macht aus diesem Echo ein Bild.

Auf dem Bildschirm sehen Sie:

  • Fische und Fischschwärme
  • Wassertiefe
  • Die Struktur des Grundes (Sand, Schlamm, Fels)
  • Objekte unter Wasser wie Steine, Wracks und Kraut

Eines muss man dabei wissen: Ein Fischfinder sieht Fische nicht wie eine Kamera. Was auf dem Bildschirm erscheint, ist eine Deutung des Echos, das die Schallwelle erzeugt. Deshalb ist es genauso wichtig, den Bildschirm lesen zu lernen, wie das Gerät selbst.

Karten- und Fischfinder-Bildschirm in einer Bootskabine
Die meisten Geräte zeigen heute Karte und Sonar auf demselben Bildschirm. Foto: Maël Balland / Unsplash

3. Der wesentliche Unterschied zwischen Fischfinder und Sonar

Ganz einfach gesagt:

  • Sonar = die Technik
  • Fischfinder = das Gerät, das die Sonartechnik nutzt

Im Handel werden beide Begriffe oft gleichbedeutend verwendet. Ob ein Verkäufer „Sonar“ oder „Fischfinder“ sagt, er meint meistens dasselbe Gerät. Der eigentliche Unterschied liegt darin, welche Sonararten das Gerät unterstützt. Statt „Fischfinder oder Sonar?“ ist die bessere Frage also: „Bringt mir das Sonar dieses Geräts wirklich etwas?“

4. Sonararten: 2D, CHIRP, Down Imaging, Side Imaging und Live-Sonar

Das sind die wichtigsten Sonararten, denen Sie bei heutigen Geräten begegnen:

Klassisches 2D-Sonar: Das Grundsystem. Es sendet den Schall kegelförmig unter das Boot. Auf dem Bildschirm erscheinen Fische als Sicheln oder Flecken, der Grund als dicke Linie. Meist arbeitet es mit zwei Frequenzen. Eine niedrige Frequenz deckt eine größere Fläche ab und reicht tiefer. Eine hohe Frequenz erfasst einen schmaleren Bereich, zeigt ihn aber schärfer.

CHIRP-Sonar: Klassisches Sonar sendet auf einer einzigen Frequenz. CHIRP durchläuft bei jedem Impuls einen ganzen Frequenzbereich. Auf dem Wasser heißt das: Dicht beieinander schwimmende Fische erscheinen getrennt statt als ein Fleck, und ein Fisch direkt am Grund lässt sich leichter vom Grund unterscheiden. Heute ist CHIRP bei den meisten Geräten der Mittelklasse Standard.

Down Imaging: Mit sehr hoher Frequenz tastet es einen schmalen Streifen direkt unter dem Boot ab. Es liefert ein fast fotoähnliches Bild vom Grund. Steine, Wracks und Krautfelder sind deutlich zu erkennen. In flachem und mittlerem Wasser liefert es sehr gute Ergebnisse.

Side Imaging: Es tastet nach links und rechts vom Boot ab. Damit findet man auf großer Fläche Bodenstrukturen, Riffe und Stellen, an denen sich Fische sammeln könnten. Am besten funktioniert es bei langsamer Fahrt. Statt den Fisch zu zeigen, beantwortet es eher die Frage: „Wo könnte der Fisch sein?“

Live-Sonar: Die meistdiskutierte Technik der letzten Jahre. Systeme wie Garmin LiveScope, Lowrance ActiveTarget und Humminbird MEGA Live zeigen den Bereich vor oder unter dem Boot in Echtzeit. Sie sehen live auf dem Bildschirm, wie sich der Fisch bewegt und auf Ihren Köder reagiert. Es kostet deutlich mehr als die anderen Systeme, und der Einbau ist aufwendiger.

Das Wrack der SS Ozama auf einem Side-Imaging-Sonarbild
Ein echtes Wrackbild, aufgenommen mit Side Imaging (SS Ozama). Die Mittellinie ist der Kurs des Boots, links und rechts der seitlich abgetastete Bereich. Bild: Spence Trust Inc. / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

5. Worauf sollte man bei der Wahl eines Fischfinders achten?

Die meisten schauen beim Kauf zuerst auf die Bildschirmgröße. Der Bildschirm ist wichtig, sagt allein aber wenig aus. Achten Sie auch darauf:

Wo angeln Sie? Wer in tiefem Wasser angelt, braucht ein Gerät mit starker niedriger Frequenz und einen passenden Geber. In Küstennähe und im Flachwasser sind Down Imaging und Side Imaging deutlich nützlicher.

Geber: Der Geber ist das Auge des Geräts. Derselbe Bildschirm liefert mit einem anderen Geber eine ganz andere Leistung. Achten Sie beim Kauf darauf, dass er zum Gerät passt und dass klar ist, wie er an Ihrem Boot montiert wird. Es gibt Spiegelgeber, Durchbruchgeber und Geber zum Einkleben im Rumpf. Nicht jedes Boot eignet sich für jede Montageart.

Fischfinder-Geber mit Halterung für die Spiegelmontage
Ein Spiegelgeber mit Montagehalterung. Bild: Markus Bärlocher / Wikimedia Commons, CC0

CHIRP-Unterstützung: Bei einem Gerät, das Sie heute kaufen, empfehlen wir CHIRP. Der Unterschied ist auf dem Bildschirm deutlich zu sehen.

Kartenplotter-Funktion: Viele Geräte kombinieren Fischfinder und GPS-Kartenbildschirm. Das ist sehr praktisch, um eine Stelle mit Fisch zu speichern und wieder anzufahren.

Budget und Bedarf abwägen: Nicht jeder Angler braucht Live-Sonar. Für jemanden, der am Wochenende angelt, ist ein gutes Gerät mit CHIRP und Down Imaging meist mehr als genug.

6. Den Bildschirm lesen: Warum erscheinen Fische als Sicheln?

Hier hakt es bei Einsteigern am häufigsten. Auf einem klassischen 2D-Bildschirm erscheint ein Fisch meist als umgedrehtes „U“, also als Sichel. Der Grund: Während das Boot fährt, tritt der Fisch zuerst am Rand in den Sonarkegel ein, durchquert dann die Mitte und verlässt ihn am anderen Rand. Der Abstand zum Fisch wird erst kleiner, dann größer, und so entsteht auf dem Bildschirm eine Sichel.

Steht das Boot still oder schwimmt der Fisch in dieselbe Richtung wie das Boot, entsteht keine Sichel, sondern eine gerade Linie. Eine gerade Linie heißt also nicht immer „kein Fisch“.

Auch die Dicke der Grundlinie verrät etwas. Harter Grund (Fels, Stein) wirft den Schall stark zurück, die Grundlinie erscheint dick und hell. Schlamm und weicher Grund erscheinen dünner und blasser.

7. Häufige Fehler

  • Den Geber an der falschen Stelle montieren: Ein Geber nahe am Propeller oder in verwirbeltem Wasser verliert während der Fahrt das Signal. Luftblasen stören das Bild.
  • Großer Bildschirm, billiger Geber: Wer ausgerechnet beim Teil spart, das die Bildqualität bestimmt, verschenkt das Potenzial des Geräts.
  • Fischsicheln vom Side Imaging erwarten: Die Seitenabtastung zeigt Strukturen. Um Fische zu sehen, muss man auf den 2D/CHIRP-Bildschirm schauen.
  • Alles auf Automatik lassen: Schon ein wenig Spielen mit Empfindlichkeit (Gain) und Messbereich verändert das Bild deutlich.

8. Häufig gestellte Fragen

Ist ein Fischfinder dasselbe wie ein Sonar?

Nein. Sonar ist die Technik, ein Fischfinder ist das Gerät, das diese Technik zum Angeln nutzt. Auch wenn beide im Alltag gleichbedeutend verwendet werden, ist das die richtige Unterscheidung.

Was ist CHIRP, und brauche ich das?

CHIRP ist eine Sonarart, die statt einer einzelnen Frequenz einen Frequenzbereich durchläuft. Sie trennt Fische voneinander und vom Grund deutlicher. Wenn Sie heute ein Gerät kaufen, empfehlen wir eines mit CHIRP.

Side Imaging oder Down Imaging?

Down Imaging tastet direkt unter dem Boot ab, Side Imaging zu beiden Seiten. Für die Struktursuche in flachem und mittlerem Wasser sind beide nützlich. In sehr tiefem Wasser ist die klassische 2D/CHIRP-Ansicht aussagekräftiger.

Wie tief kann ein Fischfinder anzeigen?

Das hängt von Gerät, Geber und Frequenz ab. Niedrige Frequenzen reichen tiefer. Wenn Sie in tiefem Wasser angeln, prüfen Sie unbedingt die Tiefenangaben von Gerät und Geber.


Hinweis: Halten Sie sich bei Einbau des Geräts und Montage des Gebers an die Anleitung des Herstellers. Wenn für die Montage ein Loch in den Rumpf gebohrt werden muss und Sie unsicher sind, überlassen Sie die Arbeit einem erfahrenen Fachmann.

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